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Lake Mungo NP, Vegetation
Mungo NP, Salzbuschvegetation mit Chenepodiaceen

Mungo NP und Willandra Lakes World Heritage Region:

Ein Nationalpark ganz im Westen von New South Wales. Im Outback in der mittelaustralischen Senke gelegen. Bretteben, Salzbuschvegetation, kein Baum verdeckt den Blick in die Weite der Landschaft. In der Ferne die Dünenkette aus gelben Sanden. Eigentlich eine karge, ja trostlose Landschaft.
Aber hier befindet sich die wichtigste und interessanteste archäologische Grabungsstätte Australiens. Deswegen wurde dieses Gebiet 1979 als Nationalpark und 1981 als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt.

Circa 40.000 Jahre zurück.
Große Seen befinden sich hier, die alle von dem Willandra Creek gespeist werden. Einer der größten Seen, der Mungo Lake bedeckt eine Fläche von ca. 200km2. Im bis zu 15m tiefen Wasser leben Süßwasserfische. Am östlichen Rand befindet sich eine Kette von Wanderdünen, die beste Lagerplätze für nomadische Jäger und Sammler bieten.

Das Leben ist hier angenehm. Es gibt ausreichend Wasser und Nahrung: Fische, Krebse und Muscheln in den Seen im Überfluss. Die Menschen gehen aber auch auf die Jagd. Beuteltiere wie Kängurus, Wallabys, Wombats und sogar Beutelwölfe (=Tasmanischer Tiger) werden von ihnen verzehrt. Deren Knochen und Schalen werden achtlos auf Abfallhaufen geworfen. Abends genießen die Menschen im Lichte eines Feuers die kühle vom Westen über den See wehende Brise. Ihre Toten bestatten sie mit einem Ritual. So können sie hier Tausende von Jahren üppig leben.

Kaum vorstellbar, wenn man heute diese Landschaft betrachtet.

Vor circa 20.000 bis 15.000 Jahren während der letzten Eiszeit:
Das Klima wird trockener, der Süßwasserzufluss wird geringer. Der Wasserspiegel des Sees sinkt, das Wasser versalzt langsam. Die Fische sterben aus. Dann am Ende trocknet der See gänzlich aus. Eine ausgedehnte Salzbuschvegetation wächst auf dem ehemaligen Seeboden. Nur diese Gänsefussgewächse (Chenepodiaceae - siehe auch Salzbuschvegetation in der Nullarbor) sind fähig, mit diesen harschen Bedingungen fertig zu werden: versalzter Boden, sehr geringe Niederschlagsmenge, die zudem noch sehr unregelmäßig kommt. Im Sommer extreme Trockenheit und Hitze. Kein Mensch kann hier mehr leben.

Erst um 1860 erreichten Schafzüchter auf der Suche nach neuen Weideflächen diese Gegend. Ihre Schafe und Ziegen zerstörten die Vegetation auf den Sanddünen am östlichen Rand der weiten See-Senke. Erst jetzt konnten die seltenen Regenfälle ihre Wirkung voll entfalten, die verfestigten Sande erodierten schnell und legten Reste eines nomadischen Lebens aus der Steinzeit frei: Steinwerkzeuge, Kochstellen mit Resten von Feuern, Abfallhaufen von Knochen und Muschelschalen, menschliche Knochen und sogar Fußspuren eines Menschen.

Mungo NP, touristische Einrichtungen :

Heutzutage findet man einen einfachen Campingplatz auf einer Fläche mit locker stehenden Kasuarinen in der Nähe des Einganges des Nationalparks. Im Besucherzentrum selbst findet man Duschen, komfortablere Toiletten und Räume mit Klimaanlage*. Dort muss man sich auch selbst registrieren und die Campgebühren errichten.
Ein Besuch des Museums im Besucherzentrum lohnt sich. In Schaukästen und Informationstafeln wird über die geologischen und archäologischen Besonderheiten dieses Parks berichtet. Hier befindet sich auch ein gut erhaltene Schafschur-Schuppen (Mungo Woolshed), der 1869 errichtet worden ist.
Durch den Nationalpark führt eine Erdstraße durch die Salzbuschvegetation auf dem ehemaligen Seegrund (siehe Bild oben) und durch eine Buschlandschaft, die durch Gruppen aus Kasuarinen (Sheoaks, Belah) und einigen Eukalyptus- und Akazienarten, die salz- und trockenheitstolerant sind, gekennzeichnet ist.
Der "Lake Mungo Scenic Drive" ist 70km lang, teilweise nur in eine Richtung befahrbar und nach starken Regenfällen gesperrt. Westliche Graue Riesenkängurus, Emus, Schnabeligel, Tannenzapfenskinke und Bartagamen leben in dieser kargen Landschaft.
Höhepunkt ist eine Wanderung über die erodierten Reste der Wanderdünen, die die Chinesischen Arbeiter als "Wall of China" genannt haben. Gerade im Abendlicht sind sie das landschaftliche Highlight dieses Parks. Tagsüber werden geführte Exkursionen angeboten.
Wir hatten das Pech, nach rekordverdächtigen schweren Regenfällen im Januar 2011 gekommen zu sein. Die sogenannte "lunette" war besonders stark erodiert und hatte weitere archäologisch interessante Fundstellen freigelegt. Damit diese nicht zerstört wurden, war ein Betreten der ehemaligen Sanddünen verboten. Man konnte sie nur von einer kleinen Aussichtsplattform einsehen.

*Man sollte diesen Park aber nur im Winter besuchen, im Sommer kann es dort sehr heiß werden.

Anfahrt zum Mungo NP:

Im September 2009 wollten wir schon einmal den Mungo NP ansteuern, nur der Zufahrtsweg war gesperrt, weil er durch starke Regenfälle völlig aufgeweicht war. (Erkundigung in der Touristeninformation in Mildura, Information beim Ranger oder Informationsschild am Beginn der Strecke)

September 2011. Im Westen von New South Wales starten wir ins praktisch unbewohnte Outback. Wir haben noch einmal den Wagen vollgetankt und zusätzliches Trinkwasser gekauft. Denn auf der gesamten Strecke gibt es keine Versorgungsmöglichkeiten.

Der Himmel ist wolkenlos. Von Mildura aus 20km asphaltierte Straße und 90km Erdstraße ("dirt road"). Und das mit einem 2WD-Wagen. Aber im September 2011 für einen Toyota Hiace problemlos möglich. Der Weg war mit Grader und Straßenwalze geebnet worden. Das Land zuerst wellig, Buschland mit Kasuarinen bewachsen, zuletzt bretteben, knochentrocken, kein Haus, kein Teich, kein Bach, kein Wasser ist zu sehen. Trockenes Buschland. Ganze drei Fahrzeuge überholen uns. Nur Geländewagen mit 4WD. Endlich erreichen wir den Mungo NP. Der Campingplatz ist praktisch voll belegt, nur mit Mühe finden wir noch einen von anderen ungeliebten Platz. Wir sind die einzigen, die keinen Vierradantrieb haben. Erst einen Platz buchen im Besucherzentrum. Dann los. Es ist schon spät am Nachmittag.

Schon am Abend ziehen Regenwolken auf, verdunkeln die Sonne. In der Nacht fängt es an zu nieseln und hört am Morgen nicht auf. Der Wetterbericht verspricht mehr Regen. Für uns ein Anlass, eine der interessantesten Stellen Australiens fluchtartig zu verlassen. Denn die Erdstraßen werden bei leichtem Regen rutschig, bei starkem unpassierbar. Erst recht für ein ganz normales Straßenfahrzeug, wie wir es haben. Eines der wenigen Male, wo wir es bedauern, keinen Geländewagen gemietet zu haben.

 

Lake Mungo NP
Mungo NP, die Erdwege ("dirt roads") m Park sind nach starken Regenfällen unpassierbar