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Blauohr-Honigfresser
Myall Lakes NP: Blauohr-Honigfresser (Blue-faced Honeyeater, Entomyzon cyanotis )

Blauohr-Honigfresser (Blue-faced Honeyeater, Entomyzon cyanotis )

Der Blauohr-Honigfresser, ein Vogel mit einem charakteristischen Aussehen (siehe Bild oben), der im Osten und Norden Australiens in lichten Wäldern, in Buschlandschaften und in Obstgärten überall präsent ist, gehört zur Gruppe der Honigfresser.

Die Familie der Honigfresser (Meliphagidae) ist eine der erfolgreichsten und artenreichsten australischen Entwicklungen, die Nahrungsquelle der Blüten zu nutzen. Aber im Gegensatz zu der afrikanischen Gruppe der Nektarvögel und besonders der amerikanischen Gruppe der Kolibris haben diese Vögel nicht den hohen Grad der Spezialisierung erreicht, was besonders die Flugleistung und die Nahrungsspezialisierung betrifft.

Alle Honigfresser sind gekennzeichnet durch einen mehr oder weniger langen, leicht nach unten gekrümmten Schnabel und durch eine Zunge mit pinselförmigen Fransen an der Spitze. Dabei ist die Zunge so lang, dass sie über die Schnabelspitze hinausgestreckt werden kann. Bis zu 10mal in der Sekunde kann die Zunge hin und her bewegt werden, wodurch die Vögel den Nektar einer Blüte in kurzer Zeit auftunken können. Durch ihre regelmäßigen Besuche von Blüten haben diese Vögel in Australien eine bedeutende Aufgabe als Bestäuber.

Meist werden aber nur von Zeit zu Zeit Blüten besucht, denn diese stehen nicht immer zur Verfügung und bieten ausschließlich Kohlenhydrate für die Energiegewinnung. Proteine und Fette müssen aber aus anderen Nahrungsquellen gewonnen werden. (Dasselbe gilt ja auch für Kolibris. Eigentlich haben sich diese ja auf winzige Insekten als Nahrungsquelle spezialisiert, die Blüten besuchen. Da diese aber wegen ihrer Winzigkeit nicht die nötige Energie für das sehr aufwendige Sammeln genügender Nahrungsmengen bieten, müssen die Kolibris als Energielieferanten den Nektar der Blüten nutzen.)

Die australischen Nektarfresser kann man nach der zusätzlichen Nahrung in drei Gruppen aufteilen.
Diejenigen, die sich sehr stark auf das Aufsaugen von Nektar spezialisiert haben wie z.B. die Spinebills (Acanthorhynchus-Arten) mit sehr langen gebogenen Schnäbeln, die auch den Nektar von röhrenförmigen Blüten gewinnen können, dann auf die, die zusätzlich Insekten fressen wie z.B. der Miner (Manorina-Arten) und dann die die zusätzlich Früchte fressen wie z.B. der Singing Honeyeater (Lichenostomus). Die Grenzen sind aber nicht scharf, alle Arten suchen sich die Nahrung nach dem jeweiligen Angebot aus, aber der Schwerpunkt liegt je nach ihrer Anpassung verschieden.

Viele dieser Arten führen Wanderungen durch, um jeweils zur Blütezeit ihrer bevorzugten Blüten anwesend zu sein.

Zur zweiten Gruppe der Nektarfresser gehört der Blauohr-Honigfresser. Hauptsächlich sucht er Äste und Laub nach Insekten und ähnlichen Kleintieren ab. Daneben ernährt er sich von Nektar und Pollen, Beeren und Früchten. Deswegen ist er in Bananenplantagen und Weinbergen nicht gern gesehen. Im Südfrühjahr und Sommer ist die Brutzeit, dazu nutzt er gern die verlassenen Nester bestimmter Vogelarten, die napfförmige Nester bauen. Manchmal helfen noch nicht erwachsene Tiere bei der Aufzucht der Jungen des brütenden Paares.

Blauohr-Honigfresser als Bestäuber von Blüten
Blauohr-Honigfresser (Blue-faced Honeyeater, Entomyzon cyanotis ) beim Blütenbesuch