Spinifextermiten-Hügel im Litchfield NP
Litchfield National Park: Termiten (Kathedral Termites = Nasutitermes triodiae) spielen eine wichtige Rolle beim Abbau organischer Substanzen

Termiten, Bedeutung im tropischen Ökosystem des Litchfield Nationalparks:

Als große Schädlinge sind Termiten in den Tropen (und sogar in der Hafenstadt Hamburg) bekannt. Aber für diesen schlechten Ruf sorgt nur die Gruppe der Trockenholz-Termiten, die auf der Suche nach Nahrung Bauholz von Häusern, Eisenbahnschwellen, hölzerne Telegrafenmasten etc. durchlöchern und damit zerstören. Ältere Bäume schützen sich aber vor dem Termitenfraß, indem sie in ihre Stammkerne - sie werden nicht mehr zur Wasserleitung benötigt - Stoffe einlagern, die Termiten abschrecken, sogenannte Repellents.

Im Ökosystem der australischen Savanne spielen die Termiten aber eine wichtige positive Rolle:
Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Gras, aber auch aus Totholz und anderen Pflanzenabfällen. Große Herden an Grasfressern wie in Ost- oder Südafrika fehlen in Australien, so dass totes Gras sich anhäufen und das Ausschießen der frischen Triebe nach dem Einsetzen der Regenzeit behindern würde. (Höchstens nach Abbrennen des alten trockenen Grases könnte eine Regeneration erfolgen. Diese Methode wenden auch manche Farmer an.)
Totholz würde bei dem hier im Outback herrschenden Klima über Hunderte von Jahren liegenbleiben. Denn Pilze, die in den gemäßigten Breiten die Hauptabbauarbeit leisten, könnten höchstens in der Regenzeit tätig werden, da dazu das Holz eine hohe Feuchtigkeit aufweisen muss. In der Trockenzeit würde ihre Tätigkeit völlig zum Erliegen kommen.

Die Termiten sind also die wichtigsten Lebewesen, die in diesen monsunfeuchten Tropen, die tote organische Materie zu den anorganischen Verbindungen Kohlendioxid, Wasser und verschiedenen Mineralsalzen abbauen und damit den Produzenten (Pflanzen) wieder zur Verfügung stellen. Nur durch das Wirken dieser sogenannten Destruenten (Zersetzer) ist der Stoffkreislauf zwischen den Produzenten und den Konsumenten (letztere sind nicht unbedingt notwendig) geschlossen.

Ernährung der Termiten: Verdauung von Unverdaulichem:

Die Nahrung dieser Tiere besteht hauptsächlich aus Gras, aber auch aus Totholz und anderen Pflanzenabfällen, im Prinzip ist diese Nahrung sowohl für Insekten wie auch für Säugetiere unverdaulich.

Denn die Zellwände des Grases enthalten große Mengen an Zellulose, die des Holzes bestehen aus Zellulose und Lignin (= Holzstoff) in einer innigen Bindung. (Chemisch gesehen ist Holz ein komplizierter Verbundwerkstoff.)

Das Zerlegen - Verdauen - dieser Stoffe ist allgemein ein großes Problem in der Tierwelt. Denn den Tieren (Insekten wie auch z.B. den Rindern) fehlen Zellulose spaltende Enzyme (Verdauungssäfte).

Die Termiten brauchen Helfer für die Verdauung ihrer Nahrung: bestimmte Einzeller (Geißeltierchen = Flagellaten) und/oder eine Gruppe verschiedener Bakterien, die Zellulose aufspaltende Verdauungsenzyme, nämlich Zellulase*, besitzen. Diesen bieten den Termiten beste Lebensbedingungen: der stark vergrößerte Enddarm bietet viel Platz bei optimalen Umweltbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Nahrung). Weiterhin bereiten die Termiten die Nahrung so auf, dass die Mikroorganismen ihre Aufgabe effektiv verrichten können. Mit Hilfe der Mundwerkzeuge zerkleinern sie das pflanzliche Material in winzige Stückchen, wodurch nicht nur die Zellstruktur mechanisch zerstört, sondern auch die Oberfläche für die angreifenden Enzyme enorm vergrößert wird.

Nun können die Bakterien und Einzeller mit Hilfe ihrer Verdauungsenzyme die Zellulose in Milchsäure und andere Fettsäuren aufspalten. Diese entstehenden Stoffe nutzen nicht nur die Mikroorganismen, sondern auch die Termiten für ihren Bau- und Energiestoffwechsel. Der wichtigste Teil der Termiten-Nahrung besteht aber aus dem Überschuss der sich rasend schnell vermehrenden Einzeller und Bakterien.

Dieser Weg erscheint umständlich zu sein. Aber nutzen wir Menschen Gras nicht auf dieselbe Art und Weise. Wir füttern damit Rinder und nutzen deren überschüssige Vermehrung als Nahrung.

Die Termiten Afrikas und Amerikas - nicht aber die Australiens - haben einen anderen Weg entwickelt: In Pilzgärten züchten sie Pilze, die dann als Nahrung dienen.

Termiten, Einzeller und Bakterien leben also in einer Symbiose zusammen, jede Art zieht aus diesem Zusammenleben Nutzen. (Bei allen Wiederkäuern und bei den Kängurus wird das Problem der Verdauung des Pflanzenmaterials auf ähnliche Art gelöst.)

Bakterien erzeugen ihre Energie in Abwesenheit von Sauerstoff durch Gärung. Dabei entstehen neben verschiedenen Säuren (bekannter ist z.B. die alkoholische oder die Milchsäuregärung) auch Gase. Bei Termiten entsteht durch die Mitwirkung mehrerer Bakterienarten nur wenig Methan, das von den Termiten an die Umwelt abgegeben wird. Methan ist aber ein 21-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Im Vergleich zu den Rindern haben die Termiten einen geringen Anteil an der Produktion von Methan, das in die Atmosphäre gelangt. Deshalb wäre es interessant, wenn es gelänge, die Bakterienzusammensetzung im Rinderpansen durch die der Termiten zu ersetzen.

*Enzyme, die einen bestimmten Stoff spalten, benennt man durch das Anhängen der Silbe -ase an den Namen des Stoffes.

Fototipp:
Die meisten Besucher des Litchfield Nationalparks bleiben im Bereich des Parkplatzes der Termitenfeldes und besehen sich von dort die Termitenbauten. Es lohnt sich aber die ausgetretenen Pfade zu verlassen und parallel zur Straße durch den Busch zu streifen (Wanderschuhe sind nötig).

Termitenhügel in der tropischen Savanne Australiens
Saisonal leben Kompasstermiten im Wasser.

Sehr informative Seiten über Termiten findet man beim Wissenschaftsmagazin scinexx

Hügel der Spinifex-Termiten in NT
Litchfield Nationalpark: Bauten der Spinifextermiten (Kathedral Termites = Nasutitermes triodiae)