Stuart HWY: Leere und Stille auf einer Highway im Outback
Stuart HWY: Leere und Stille auf einem Highway durch das Outback. Hier haben Termiten "das Sagen".

Über Hunderte von Kilometern verläuft der Stuart HWY durch das Outback, eine Savannenlandschaft mit einer Unzahl an Termitenhügeln. Der Verkehr ist
dabei so gering, dass man die Autos, die einem entgegenkommen, zählen kann.
Es lohnt sich, einmal einen Blick in die tropische Savanne zu werfen, die über viele Hundert Kilometer den Stuart HWY begleitet.

Termitenbauten in der tropischen Savanne - Ökologie der Termiten:

Ein kleines, aber staatenbildendes Insekt - die Termite - bestimmt mit seinen Bauten die Landschaft in den tropischen Savannen Australiens. Diese sogenannten "weißen Ameisen" bekommt man kaum zu sehen, denn öffnet man deren Bau, so verdrücken sie sich gleich ins Innere. Höchstens Soldaten eilen herbei zur Schadstelle. Aber viele ihrer Bauten sind überhaupt nicht sichtbar, weil sie sich in dem Geäst der Bäume, im Boden oder gar im Holz toter Bäume selbst befinden.

Die Bauten sind vielgestaltig, von den kathedralartigen Bauten der Spinifextermiten aus einem Gemisch aus Erde und Termitenspeichel, das so hart wie Beton wird, bis zu Baumnestern mit kartonartigen Wänden aus zerkautem Holz, die durch tunnelartige Gänge mit dem Erdboden verbunden sind.

Obwohl eine einzige Termite nur mehrere Tausendstel Gramm wiegt, addiert sich wegen ihrer hohen Individuenzahl ihre Biomasse (Gesamtmasse) auf bis zu 100kg pro Hektar. Das ist mehr als die der Rinder oder Kängurus, die hier leben können. Dementsprechend ist das erfolgreichste Tier in der Savanne nicht das Känguru, sondern die Termite, wobei deren Bedeutung in Australien wegen der geringen Anzahl an Herbivoren, z.B. Kängurus, viel höher ist als in Afrika.

Termiten nutzen ein weit verbreitetes im Überfluss vorhandenes Produkt, das andere Tiere nicht nutzen können: die Zellulose, die im Gras und im Holz der lebenden oder toten Bäume enthalten ist.

Termitenbauten: Wohnstätten mit Klimaanlage
Kompasstermiten

Termitenhügel im offenen Wald des tropischen Australiens
Termitenhügel im offenen Wald des tropischen Australiens

Nutzung der Ressourcen der Savanne durch Termiten,
Bildung von Staaten mit Arbeitsteilung war notwendig:

Nur die Termiten haben es geschafft, die Ressourcen der Savanne optimal zu nutzen. Dazu mussten sie in der Evolution zwei Wege beschreiten.

1) Die Bildung von Staaten mit Arbeitsteilung:
Die Gräser der Savanne haben nur einen geringen Nährwert, sie bestehen zu einem hohen Prozentsatz aus dem nur mit Tricks nutzbaren Kohlenhydrat Zellulose und im reifen Zustand nur sehr geringen Mengen an Eiweiß. Bei der Aufspaltung von Zellulose in seine chemischen Bausteine entsteht Glucose, mit der ein Insekt reichlich seinen Energiebedarf sichern kann, nicht aber seinen Bedarf an Baustoffen. Der Energie-, nicht aber der Baustoffwechsel kann damit gedeckt werden. Für die Bildung von Eiern und für das Wachstum der Larven, bei Geschlechtstieren bis zur Geschlechtsreife - werden aber Proteine benötigt.

2) Durch die Bildung von Kasten
haben die Termiten eine funktionelle Trennung der notwendigen Aufgaben entwickelt. Arbeiterinnen sorgen einmal nur für die Aufrechterhaltung ihres eigenen Lebens (sie decken ihren Energiebedarf) und "verzichten" auf die eigene Fortpflanzung. Und dann sorgen sie für die Weitergabe des Lebens
durch die Ernährung der Königin, die nur noch die Aufgabe der Eiproduktion hat, und durch die Fütterung der Larven. Bei weiter entwickelten Termiten werden sogar die Soldaten noch mit ernährt. Aus evolutionärer Sicht ist dieses nur möglich, weil die ausschwärmenden Geschlechtstiere des Staates Geschwister der Arbeiterinnen sind, d.h. beide haben die Hälfte aller Gene gemeinsam.

3) Die Bildung von klimatisierten Bauten,
in denen ein Mikroklima herrscht, das sowohl unabhängig von den rauen Klimabedingungen der Savanne ist als auch optimal für die Insekten selbst. Die nur mit einem dünnen Chitinskelett versehenen Arbeiterinnen (ebenfalls eine Sparmaßnahme) benötigen eine äußere Luftfeuchtigkeit von fast 100%, sonst würden sie schnell austrocknen. Nur unter optimalen Bedingungen - nachts - verlassen sie ihre Bauten, um Nahrung zu beschaffen. Als wechselwarme Tiere benötigen sie zusätzlich äußere Temperaturen von ca. 30°C, damit ihr Stoffwechsel und der ihrer Symbionten optimal ablaufen können. In ihren Bauten schaffen sie dieses benötigte Mikroklima und halten es ständig aufrecht.

Ernährung von Termiten mit Zellulose

Termiten-Hügel bestimmen die Savannen-Landschaft des tropischen <br />
Australiens
Termiten-Hügel bestimmen die Savannen-Landschaft des tropischen Australiens